Am frühen Sonntag Morgen des 24.08.2014 trafen wir uns als Reisegruppe (32 Pers.), vorwiegend Großauer, in Bruckmühl bei Rosenheim, um zusammen eine zehntägige Rundreise durch Siebenbürgen anzutreten. Jeder mit anderen Erwartungen, Vorstellungen und Erinnerungen.

Einige waren seit ihrer Ausreise, vor mehr als 25 Jahren nicht mehr in der alten Heimat und hatten sich nur vom Hörensagen oder per Internet ein aktuelles Bild zurechtgelegt. Der einzige in Deutschland geborene Klaus Petry, war 27 Mal dagewesen. Mit seiner Frau Susanne geb. Stieger, bereisten sie Rumänien oft und kennen Siebenbürgen sehr gut. Von Ihnen kam auch der Vorschlag als Unterkunft den Hotel Komplex Albota, unterhalb des Bâlea See, zu wählen. Zusammen mit Kathi Mai und Bruno Kastenhuber aus Großau, haben sie diese Reise auf’s beste vorbereitet, uns unterwegs vorzüglich betreut und verwöhnt. Nicht zuletzt Brunos Frau Andrea und die beiden Söhne Marco und Mathias, die uns mit Kaffee etc, bedient haben. Schon die erste Rast war ein Augenschmaus.

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Da war auf einem Biertisch alles was schmeckte, stärkte und uns auf Siebenbürgen einstimmte: Brot, Griebenschmalz, Hanklich, Nuss-Striezel und nicht zuletzt der obligatorische „Begrüßungsschnaps“. Samuel Grennert sorgte für die musikalische Umrahmung. Ausgestattet mit zwanzig Textheften, konnten wir auch voller Begeisterung mitsingen. So, erregten wir natürlich Aufsehen auf fast jedem Rastplatz, nach dem Motto: „Sași ăștia - se ușurează…, mănîncă, bea, cântă si pleacă“. Das sollte nun zur Routine werden.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Budapest. Bei strahlendem Sonnenschein, machten wir eine beeindruckende Stadtrundfahrt und die Reiseleiterin nahm uns mit in die zwei bedeutenden Stadtteile „Buda“ die am Berg gelegene Stadt auf der einen Seite der Donau und „Pest“ die ebene Seite, mit ihren wunderschönen alten Bauten, die von einer bedeutenden Geschichte zeugen und durch prächtige Brücken verbunden sind. An einigen bedeutenden Plätzen konnten wir aussteigen um, die Atmosphäre der heutigen Großstadt, wahrzunehmen. Mit vielen schönen Eindrücken ging ein erster Tag, bei einem guten Abendessen im Hotel Flamenco, zu Ende.

Nach einer Zwischenübernachtung in Budapest, traten wir am darauf folgenden Tag, Montag, die Reise nach Siebenbürgen an. Schon gleich nach der Grenze leichte Ernüchterung: „So viel hat sich nicht getan…“ Die Unterschiede im Straßenbild sprechen eine deutliche Sprache. Typisch alte Häuser im Raum Arad, wechseln sich mit neuen großzügigen Häusern mit Erkern und schön angelegten Gärten ab.

Diese Weite und das Blau des Himmels, die Natur und ihre Vielfalt begeisterten uns. Ab Mühlbach begleitete uns in beeindruckender Weise ein Regenbogen. Gott war mit uns. Wie ein Willkommensgruß unserer Vorfahren und ein Versprechen auf eine wunderbare Zeit in der Heimat, spannte sich der Regenbogen über Berg und Tal. Als wir uns Großau näherten schwankte die Stimmung zwischen Wehmut und alles schnell fotografieren.

Wir sangen das Großauer Lied und fühlten uns angekommen. Vieles schien uns kleiner, als in Erinnerung. Anderes wiederum neu und überraschend gepflegt und hergerichtet z.B. der Dorfplatz in Großau an der Schule. Großau wie Hermannstadt, haben sich nach allen Seiten ausgebreitet, neue Straßenzüge und Häuser sind entstanden und verändern das gewohnte Bild. „Weißt du noch, hier was dies und jenes, unsere Schule, die Firma…, da waren wir oft…“ so klang es durch den Bus, als wollte jeder jedem begreiflich machen was mal war.

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In Albota angekommen erwartete uns ein großes Anwesen im Grünen, mit gemütlichen Zimmern und rustikalem Ambiente. In idyllischer Lage im Fogarascher Gebirge, war Albota ein guter Ausgangspunkt für unsere Besichtigungstouren. Das hauseigene Restaurant servierte uns regionale Spezialitäten aus frischen Produkten, alles aus eigener Herstellung. Frisches Hausbrot aus der eigenen Bäckerei, Wurst, Käse, Vinete, Sakuskă, Gulasch nach siebenbürgischer Art sowie Forellen, in allen Variationen, aus eigener Zucht. An den folgenden Tagen hatten wir, mit Radu Lazăr, einen sehr kompetenten und äußerst netten Reiseführer. Er erklärte uns mit viel Begeisterung die bewegte Geschichte Siebenbürgens im Kontext zu den jeweiligen Zeiten, die Orte, historische Kirchenburgen wie das Zisterzienserkloster in Kerz. Weiter ging es nach Sîmbăta zum Lipizanergestüt mit edlen Rassenpferden, mit nachvollziehbarer Blutlinie.

Im Kloster Brîncoveanu in Sîmbăta de Jos mit seinen reichverzierten Heiligenbildern, verstanden wir erstmals deren Anordnung und Bedeutung. Am Mittwoch, ging es nach Neppendorf, wo uns Pfarrer Galter durch die Kirche mit Museum und Ev. Akademie, führte. An den vielen neu angesiedelten Firmen und am Flughafen vorbei, fuhren wir nach Großau. Wir besichtigten unsere ehemalige Schule, Kindergarten, Kirche, Pfarrgarten samt neu ausgebauter Scheune und den Speckturm, der heute regionale Produkte anbietet und für einen kleinen Umtrunk bestens geeignet ist. Im Pfarrhaus wurden wir von der Burghüterin Maria und Großauer Frauen, herzlich empfangen und bewirtet. Mit Blumenkränzchen ging es voller Wehmut zum Friedhof. Jeder verweilte in Gedanken versunken an den Gräbern. Der Stimmung entsprechend war es der einzige trübe Tag den wir hatten, als wüsste der Himmel, dass hinter manchem Auge leise Tränen schimmerten. Auf dem Rückweg schaute jeder in seiner Straße vorbei, am ehemaligen Elternhaus. Bei Kaffee und frischen Krapfen auf dem Pfarrhof, konnten wir unsere Emotionen und Begeisterung, verarbeiten.

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Nächster Tag: Bei strahlendem Sonnenschein, ging es zu den Sehenswürdigkeiten von Curtea de Argeş und zum Kloster Cozia. Über das Alttal und die Transfogarascher Straße mit ihren atemberaubenden Serpentinen, gelangten wir am Nachmittag zum Bâlea See. Die Berghütte ist bewirtschaftet und bis die einen eine „Ciorbă de burtă“ aßen, machte eine Frauengruppe Yoga, fast wie im Tibet… Entsprechend durchblutet und aufgelockert kamen wir abends in Albota an. Mit einem großen Lagerfeuer, Volksliedern und einer Nachtwanderung mit „Sterne zählen“ auf einem Hochsitz, ging ein weiterer schöner Tag zu Ende.

Freitags ging es auf Entdeckungstour durch Hermannstadt. Unser Reiseleiter Radu, stimmte uns schon auf der Fahrt auf die aktuellen Lebensumstände, Politik und Wirtschaftssituation der Stadt ein. Hermannstadt und Umgebung sind unbestritten die Vorzeigeregion Rumäniens, nicht zuletzt durch das unermüdliche Wirken des deutschen Bürgermeisters Klaus Johannis und seinen guten Kontakten zu ausländischen Investoren. Die Stadt zeigte sich von ihrer besten und sonnigsten Seite. Hier war es weniger Wehmut, als Entdeckungsfieber das uns durch bekannte Straßen und Plätze streifen ließ: Die restaurierten Häuser der Heltauergasse, der Große- und Kleine Ring, die Lügenbrücke, die evangelische Stadtkirche als Wahrzeichen dieser historisch und kulturell so bedeutenden Stadt. Radu hatte Mühe uns bei den Themen des mittelalterlichen Hermannstadt zu halten, unsere Gedanken schweiften in unsere Vergangenheit. Mittagessen im „Goldenen Fass“, Kaffee in der Perla, Obst vom Zibins Markt, schnell noch an der ehemaligen Schule vorbei, das Bruckenthal Museum und nicht zuletzt das imposante Rathaus. Die vielen Straßencafés, die hergerichteten Plätze mit Denkmählern, Springbrunnen und Bänken zum Verweilen - eine Stadt in der es viel zu entdecken gibt. Nur schwer konnten wir davon lassen und zurück, nach Albota fahren.

Samstag ging es zu der ehemaligen Bischofskirche in Birthälm, mit Ehegefängnis. In Schäßburg, das liebevoll als „Rothenburg des Ostens“ bezeichnet wird, spazierten wir durch die Gassen, vorbei am Stundturm und Geburtshaus von Vlad Tepeș, besser bekannt als Graf Dracula. Über die befestigte Oberstadt, die Klosterkirche und die Bergkirche, ging es zur Rückfahrt. Der Abend wurde zur größten Party die Albota je gesehen hat. Mit Essen, Trinken, Live-Musik, Tanz und vielen Volkslieder, gesungen aus vollem Herzen.

Sonntag, unser letzter Ausflugstag, war ganz und gar Großau gewidmet. Nach dem Gottesdienst mit Abendmahl, besichtigten wir das, von Frau Maria Schenker und Frau Maria Onghert-Renten neu eingerichtete sächsische Museum. Wir sind voller Anerkennung und Dankbarkeit all jenen gegenüber, die mit viel Begeisterung und Fleiß uns ein Stück lebendige Heimat bewahren. Wir hatten noch Gelegenheit durch die Straßen zu laufen, den einen oder anderen zu besuchen oder einfach die Sonne im Pfarrhof zu genießen. Nach Kaffee und Hanklich, unter dem großen Nussbaum mit fröhlichen Gesprächen und immer wieder Gesang, nahte der Abschied. Ein Spruch der im Vorraum des Pfarrhauses hängt berührte und begleitet uns:

Schreib in den Sand die dich betrüben, vergiss und schlaf darüber ein. Denn was du in den Sand geschrieben, wird morgen nicht mehr sein. Schreib in den Stein was du erfahren, an Liebe, Seeligkeit und Glück. Es gibt der Stein nach vielen Jahren, dir die Erinnerung zurück. Schreib in dein Herz alle deine Lieben, aus Osten, Norden, Süd und West. Denn was du in dein Herz geschrieben, das steht für alle Zeiten fest.

Montag. Nach einem guten Frühstück auf der Sonnenterrasse von Albota, hieß es Abschied nehmen. Die meisten nahmen noch eins der köstlichen Hausbrote mit nach Hause. Mit musikalischen Glückwünschen für Albota Besitzer, Martin Müller, der Geburtstag hatte und bestem Dank für die wunderbare Zeit, traten wir die Rückreise an. Der Himmel hatte sich eingetrübt und weinte Abschiedstränen auch noch als wir in Budapest zum Übernachten eintrafen. Die Stadtführung durch Wien, auf die wir uns so gefreut hatten, fiel ins Wasser, da es ununterbrochen regnete. Jedoch nicht, eine Stadtrundfahrt mit unserem Bruno, vorbei an den bedeutendsten Plätzen Wien’s. So waren wir schneller als erwartet zurück in Bruckmühl und ließen unseren Busfahrer Bruno Kastenhuber und Organisatorin Kathi Mai „hochleben“. Sie haben uns einen unbeschwerten, unvergesslichen Urlaub geboten. Die gute Stimmung in der Reisegruppe, die wunderbaren Eindrücke, die vielen Beiträge, werden uns noch lange begleiten und ich glaube im Namen aller Mitreisender sagen zu können „Kathi und Bruno - mit euch immer wieder gerne!“.

Hedwig Fleischer geb. Konnerth (Seiden) und Susanne Petry geb. Stieger (Großau)

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