Ja, es ist zur Tradition geworden. Wenn die Rasenmäherzeit im Frühjahr beginnt, ist der surrende Motor des Rasenmähers wie ein Wecker, der vor einem Jahr gestellt wurde und nun das Signal zum Aufbruch ist. Das Team sammelt sich, tauscht Informationen in der neuen WhatsApp-Gruppe aus, begleitet sich bei den Vorbereitungen und der Anreise. Selbst als Flugverbindungen storniert wurden, war das Team mit Rat und Tat zur Stelle, bot Mitfahrgelegenheit an, recherchierte neue Flüge. Die Freude war SEHR groß über jede(n) der nach und nach anreiste.
Das Pfarrhaus der Kirchenburg Großau ist ein Haus der Gemeinschaft geworden. Die Großauer kommen nicht mehr als Gäste, sie kommen nach Hause. Sie haben Verantwortung übernommen für den Friedhof, die Kirchenburg und die Kirchengemeinde.
Heute, werde nicht ich über den Einsatz berichten, sondern gebe der Jugend das Wort und wir hören gespannt zu.
Dagmar Baatz,
für die HOG Großau

Foto: Dagmar Baatz
Bilduntertitel:
- Reihe, von links nach rechts: Mathias Krauss, Horst Schuster, Johann Liebhart, Andreas Beer, Marianne Liebhart
- Reihe, von links nach rechts: Josef Holzinger, Hedda Bäumler, Sarah Bäumler, Rita Almus, Charlotte Schunn, Elise Krauss, Katharina Grennerth-Zeck
- Reihe, von links nach rechts: Hans Schunn, Dietmar Bäumler, Max Wild, Bernd Wiserner, Martin Miessbrandt, Kilian Seebauer, Hannah Bäumler, Sascha Bollo.
Auf dem Gras sitzend, zu Füßen eines sagenhaften Teams, Dagmar Baatz
Ein Fleck voll Menschlichkeit
Ich habe mich in meinem Philosophie Studium schon öfters mit dem Begriff des frei-seins beschäftigt. Wie fühlt sich Freiheit an, wann ist sie greifbar oder weit entfernt und gibt es sie denn tatsächlich? Ich verbinde das Gefühl von Freiheit damit, dass ich mit dem, was ich mache in diesem Moment glücklich sein kann, mich bewusst dafür entschieden habe und irgendwie alles für möglich halte. Ich bin in solchen Augenblicken genau da, wo ich gerade sein will. Selten habe ich eine Gruppe von Menschen getroffen, die scheinbar alle auf einmal genau das empfunden haben: Egal woher sie kommen und warum sie da sind. Es wurde sich gegenseitig respektiert, akzeptiert und aufeinander gefreut. Ein Teil meiner Herkunft hat sich ein Stück mehr nach einem Zuhause angefühlt.

Ich war das erste Mal bei der Friedhofsaktion in Großau dabei. Ich habe mit vielem gerechnet, aber irgendwie nicht damit, dass eine enorme Größe an Freundlichkeit und Fürsorge den Raum bis in jede Ecke ausfüllt. Alle waren so glücklich und schienen so sorglos. Wenn es ein Problem gab, wurde daran gemeinsam gearbeitet, ohne große Nachfrage Hilfe angeboten und Dankbarkeit gezeigt für jede noch so kleine Kleinigkeit. Kein einziges Mal gab es eine Situation, in welcher sich jemand allein fühlen musste. In dieser Welt existiert eine große Zerrissenheit. Zerrissenheit untereinander, gegeneinander und in sich selbst. Durch die Gruppe bei der Friedhofsaktion hat es sich so angefühlt, als könnten diese Risse ohne Hinterfragung einfach repariert werden.
Mir haben diese zwei Tage gezeigt, was mit Menschen passiert, die unter unbeschreiblichen Umständen leben müssen, aber aneinander festhalten und sich Stärke schenken – nur sich haben. Nie wurde sich übereinandergestellt oder priorisiert, sie waren einfach immer da. Ich glaube, dass sich dadurch ein anderes Verständnis vom Leben selbst entwickelt hat und vor allem was wirklich wichtig erscheint. Und obwohl sie sich nicht mehr jeden Tag sehen, zum Teil Jahre dazwischen liegen, wurde der Eindruck vermittelt, dass sich das Gefühl untereinander füreinander nie verändert hat.
Hannah Bäumler, 22 Jahre (Dresden, in Großau XI/12)
