Das alte Friedhofstor hatte nicht nur eine praktische, sondern auch eine symbolische Funktion. In der evangelisch-sächsischen Tradition war das Friedhofstor die Schwelle zwischen Dorf und „Gottesacker“. Viele solcher Tore in Siebenbürgen wurden massiv aus Eichenholz gefertigt, das Großauer Tor ist aber eine schmiedeeiserne Arbeit, mit einem steinüberwölbten Eingang, links und rechts sind gemauerte Säulen. Im unteren Bereich des Tores sind Blechpaneele angebracht.

Die Historie zeigte, dass das Eingangstor früher eine andere Konstruktion aufgewiesen hat. Vermutlich war das Tor ein komplett schmiedeeisernes Tor, ohne die unten liegenden Blechpaneele und Schlosskästen.
Im Zuge von Umbaumaßnahmen wurde das Tor im unteren Bereich durch die Blechpaneele ergänzt. Gleichzeitig wurden damals auch die Schlosskästen angebracht. Seit diesem Umbau war es möglich, den Friedhof abzuschließen, da ein Bart-Schloss eingebaut wurde.
Zusätzlich wurden im mittleren Bereich bis auf die halbe Höhe Füllstäbe eingebaut, die eindeutig, jüngeren Ursprungs sind.
Als wir uns gemeinsam mit dem Kurator Mathias Krauss und dem Vorstand der HOG Großau entschieden haben, das Friedhofstor zu restaurieren, war die Tiefe der Schäden noch nicht absehbar. Die Schäden waren unter mehrschichtigen Anstrichen, nicht sichtbar. Das Tor wurde im Frühjahr 2025 ausgebaut und persönlich von Johann Schunn mit dem Anhänger nach Geretsried zu Schunn Metallbau transportiert. Um es restaurieren zu können, musste es mittels Sandstrahlen vom mehrschichtigen Lack befreit werden. Die Entfernung von Lack und Rost zeigte erstmals das Ausmaß der Korrosionsschäden am Tor. Nach Begutachtung stand fest, dass die Grundstruktur des alten Schmiedeeisens noch in einem guten Zustand war, allerdings waren die Bestandteile aus Blech so stark korrodiert, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich gewesen ist.



Bei den Restaurierungsarbeiten wurde unter- und oberhalb der Paneele Flacheisen eingeschweißt, um den Torflügeln mehr Stabilität zu geben und die Grundstruktur der Rahmen wieder aufzubauen. Gleichzeitig dienen diese Flacheisen als Befestigungsmöglichkeit der Blechpaneele.
Der Drehpunkt im unteren Bereich wurde auch durch einen eingeschweißten Zapfen erneuert. Das untere Drehlager wurde bei der Instandsetzung neu konstruiert. Um eine reibungslose Drehung beim Öffnen des Tores zu gewährleisten, lagert das Tor nun auf einem Messingring.
Als Korrosionsschutz wurden die schmiedeeisernen Grundrahmen des Tores von einer Fremdfirma feuerverzinkt. Während dieser Zeit wurden die Schlosskästen und die unteren Paneele aus nicht rostendem Stahl V2A neu angefertigt.
Als die Torflügel fertig verzinkt waren, wurden in diese die unteren Paneele eingebaut und die Schlosskästen mit einem neuen modernen Profilzylinderschloss montiert.
Zusätzlich wurde im oberen Bereich des Gehflügels ein Schlüsseldepot mit Zahlenkombination angebracht. Dies ermöglicht Besuchern zu jederzeit, den Friedhof zu besuchen.
Bei der Restauration des Tores wurde auch die Jahreszahl „2026“ der jüngsten Instandsetzung angebracht, um es für nachfolgende Generationen festzuhalten.


Nach Fertigmontage wurde das komplette Friedhofstor schwarz matt pulverbeschichtet.
Nach Abschluss der Arbeiten trat das Tor Ende April wieder die Reise an seinen ursprünglichen Platz am Eingang des Friedhofs in Großau an.
Johann Schunn hat es mit Hilfe von Hermann Eckenreiter, Martin Miessbrandt und anderen Helfern im Zuge des diesjährigen Arbeitseinsatzes im Mai wieder am Eingang des Friedhofs montiert.
Für Johann Schunn war es laut seiner Aussage eine Freude und Ehre, das Tor für die nächsten Generationen erhalten zu haben.
Artikel: Sibylle Gruber und Johann Schunn
